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Resilienz: Definition und Bedeutung einer lebenswichtigen Fähigkeit

Manche Menschen kann nichts erschüttern, so scheint es. Sie stecken körperliche wie seelische Anforderungen scheinbar mühelos weg, während andere schon durch kleinste Mengen Stress grundlegend erschüttert werden. Wie wir mit Krisen im Leben umgehen, welche Widerstandskraft wir herausfordernden Situationen entgegenhalten können, das beschreibt der Begriff Resilienz. Wie die Psychologie den Begriff definiert, warum Resilienz für jeden Menschen so wichtig ist und wie du diese Fähigkeit bei dir und deinen Kindern fördern kannst, erfährst du in unserem Ratgeber.

Definition eines Phänomens: Was ist Resilienz?

Krisen oder krisenhafte Zustände kommen in jedem Leben vor. Krankheiten, Todesfälle, Rückschläge im Job oder im Privaten sind unvermeidliche Herausforderungen, die alle treffen. Wie der Einzelne mit solchen Ereignissen umgeht, ist ganz unterschiedlich. Die Fähigkeit, mit Problemen und Krisen zurechtzukommen, sich danach wieder aufzurichten und von den Ereignissen zu erholen, nennt die Forschung Resilienz. Dieser Definition steht die Vulnerabilität gegenüber: Damit wird die Verletzlichkeit des Menschen beschrieben, die zu einer höheren Anfälligkeit etwa für psychische Erkrankungen führt. Vulnerabilität ist übrigens nicht das Gleiche wie Hochsensibilität. Menschen mit einer Hochsensibilität sind, so die Definition, zwar besonders empfindsam und empfänglich für kleinste Signale, doch auch sie haben eine individuelle Widerstandskraft, die ihnen hilft, Krisen zu bearbeiten.

Die Bedeutung von Erbanlagen: Beeinflussen unsere Gene die Resilienz?

Neurobiologen haben herausgefunden, dass es tatsächlich günstige genetische Konstellationen gibt, die für eine Entwicklung von hoher Widerstandsfähigkeit hilfreich sind. Ein Gen, das in einer langen und einer kürzeren Version vorkommt, scheint in der langen Variante dazu zu führen, dass einerseits Stresshormone schneller abgebaut werden und andererseits das Glückshormon Serotonin grosszügig ausgeschüttet wird. Insofern ist die Resilienz in gewisser Weise vorherbestimmt. Dennoch musst du nicht befürchten, mit den Erbanlagen ein wenig „zu kurz“ gekommen zu sein: Die günstige Version der Gene tragen 99,5 Prozent aller Menschen in ihrer DNA.

Wie wird Resilienz gemessen?

Die Grundlage aller Forschungen zur Resilienz ist eine berühmte Studie aus den 1950er-Jahren: Auf der hawaiianischen Insel Kauai untersuchte die Forscherin Emily Werner knapp 700 Kinder, die in schwierigen Umständen aufwuchsen. Vierzig Jahre lang begleitete das Experiment seine Probanden und legte den Grundstein in diesem neuen Forschungsgebiet. Um herauszufinden, ob und wie resilient eine Person ist, verwenden Forscher ausgefeilte Fragenkataloge, führen Interviews und beobachten das Verhalten. Das Ziel der Resilienzforschung heute: Erkrankungszahlen reduzieren und den Menschen durch gestärkte Widerstandkraft mehr Selbstentfaltung ermöglichen. Dies erreichen Patienten, wenn ihnen Ängste genommen werden. Die Arbeitswelt verspricht sich von entsprechenden Schulungen erhöhte Produktivität, weil Mitarbeiter lernen, mit Krisen sicherer umzugehen.

Vulnerabilität und Widerstandsfähigkeit: Welche Faktoren fördern Resilienz?

Die Eigenschaften, die einen Menschen widerstandsfähig machen, nennt die Forschung Resilienzfaktoren. Diese Faktoren sind in sechs Bereiche unterteilt.

  • Akzeptanz: die Fähigkeit, Krisen als Teil des Lebens zu sehen und anzunehmen
  • Optimismus: eine positive Grundeinstellung
  • Selbstwirksamkeit: die Überzeugung, ein Problem aufgrund der eigenen Fähigkeiten meistern zu können
  • Eigenverantwortung: Verantwortung übernehmen können und Probleme lösen wollen, anstatt anderen die Schuld an Umständen zu geben
  • Netzwerkorientierung: sziale Beziehungen aufbauen und pflegen können, damit sie in Krisenzeiten helfen
  • Lösungsorientierung: zielgerichtet auf die Lösung eines Problems hinarbeiten

Vom Umgang mit Krisen: Kann ich Resilienz lernen?

Die frühe Kindheit ist entscheidend für die Widerstandsfähigkeit des Erwachsenen. Doch hat die Forschung herausgefunden, dass auch im Erwachsenenalter diese Stärke noch weiter trainiert werden kann. Akzeptanz und Zuversicht etwa sind Dinge, die wir nicht immer gleich stark empfinden. Sie lassen sich mit passenden Übungen trainieren, ähnlich wie ein Muskel. Der nachhaltige Umgang mit den eigenen psychischen Kräften hilft ebenfalls, denn die Förderung von Resilienz zielt nicht auf „Abhärtung“ ab. Es geht nicht darum, mehr Arbeit oder Stress bewältigen zu können, sondern darum, die eigenen Kompetenzen gezielter einzusetzen und seine Kräfte einzuteilen: Schonung und Aufbau in guten Zeiten, damit du gewappnet bist für schwere Zeiten.

Warum ist Resilienz bei Kindern wichtig?

Kinder lernen permanent, von ihrer Umgebung und von allen Menschen, mit denen sie soziale Beziehungen pflegen. Verhaltensmuster und Strategien aus der Familie und von anderen Bezugspersonen werden nachgeahmt und verinnerlicht. Deshalb sind Kinder aus intakten Familien häufig resilienter als solche, die zu grossen Belastungen ausgesetzt sind. Instabile Beziehungen führen häufiger zu erhöhter Vulnerabilität. Umgekehrt heisst das, dass stabile emotionale Bindungen zwischen Eltern und Kindern von hoher Bedeutung für ihre Resilienz sind. Auch Kinder, die eigene Erfahrungen sammeln können und lernen, Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen, profitieren davon durch erhöhte Widerstandskraft.

Natürlich gibt es keine Garantie. Trotz bester Umstände entwickeln manche Menschen Widerstandskräfte, die nicht zur Bewältigung einer Krise ausreichen, während andere trotz schwieriger Erfahrungen damit zurechtkommen. Hier bekommen individuelle Faktoren eine grosse Bedeutung. Einige Faktoren kannst du beeinflussen. In der Summe gelingt es damit, die Resilienz von Kindern und Menschen im Allgemeinen zu fördern.

Wie kann ich Resilienz bei Kindern fördern?

Folgende Faktoren tragen zu einer Entwicklung von resilienten Persönlichkeiten bei:

  • Vermittlung beziehungsweise Training von Strategien zur Konfliktlösung, um die eigenen Ressourcen auszuschöpfen
  • Förderung von eigenverantwortlichem Handeln
  • ein wertschätzender Erziehungsstil
  • konstruktive Kommunikation zwischen Eltern und Kindern
  • Förderung des Selbstwertgefühls
  • Förderung von Strategien zur Stressbewältigung, zum Beispiel Entspannungsmethoden
  • ein positives Rollenvorbild